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Magazin | News
04.02.2026

„Einfach noch eine günstige Maschine – das wäre doch an der Realität vorbei“

Eigentlich sollte es eine reduzierte, einfache Maschinen für die Einstiegsklasse werden. Im Rückblick auf die Entwicklung der ALPHAFLEX muss Entwicklungsleiter Dr. Björn Feldhaus schmunzeln.

Dr. Björn Feldhaus

„Weil wir gemerkt haben, dass das überhaupt keinen Sinn macht und an der Realität im heutigen Flexodruck vorbeigeht. Und dann haben wir komplett neu angesetzt: Welche Maschine macht denn heute Sinn, was brauchst du in der Produktion, als Einsteiger, Umsteiger, im kleineren oder auch im Großbetrieb?“

Im Interview spricht Feldhaus über Missverständnisse im Maschinendesign, einfache Bedienung und warum die ALPHAFLEX sogar ihre Konstrukteure überrascht hat.

Auf der K 2025 demonstrierte W&H, dass die neue ALPHAFLEX nicht nur eine kontinuierliche Druckgeschwindigkeit von 400, sondern sogar von 500 m/Minute erreichen kann – selbst bei komplexen Motiven.

Mit der ALPHAFLEX bietet W&H erstmals ein Flexodruck-Modell an, das ausdrücklich auch für das Einstiegssegment gedacht ist. Gibt es da nicht schon genug Angebote? Kann W&H „auf Preis“?

Dr. Björn Feldhaus: Ehrlich gesagt haben wir uns während der Entwicklung genau bei der Frage ertappt. Die ersten Entwürfe setzten bewusst auf Reduktion: weniger Komplexität, weniger Ausstattung, dafür maximale Zugänglichkeit. Wir dachten, das Ziel sei klar: Eine abgespeckte Maschinenreihe, günstiger Preispunkt, acht Farben. Das Ergebnis fanden wir nicht glaubwürdig. Weil sich zeigte: Wer heute neu investiert, erwartet mehr als nur „genug“.

Deshalb haben wir noch einmal komplett von vorne begonnen. Weißes Blatt Papier – auch technisch, strukturell, steuerungstechnisch, ergonomisch. Entstanden ist eine Maschine, die sich bewusst von traditionellen Einstiegskonzepten absetzt. Am Ende haben wir ein System entwickelt, das uns bis heute überrascht, auf eine gute Art. Wir haben uns streckenweise selbst überholt, zum Beispiel in der realen Druckleistung.

ALPHAFLEX ist also keine abgespeckte W&H-Maschine?

Feldhaus: Nein, eben nicht. Die ALPHAFLEX bietet kein abgespecktes System, sondern ein vollwertiges Druckwerk mit allen Eigenschaften, die heute zählen. Das Ergebnis ist eine Maschine, die nicht billig sein will, sondern sich klar vom bisherigen Angebot in ihrer Leistungsklasse absetzt. Ja, in Formatlänge, Zahl der Farbwerke und Preis bleibt sie in der Einstiegsklasse. Aber was man dafür bekommt, definiert diese Klasse neu. Ich will es klar sagen: Wir haben uns bewusst dafür entschieden, im Preis etwas mehr zu erlauben, weil wir dadurch ein unglaubliches Preis-Leistungsverhältnis realisieren konnten. [lacht] Wir haben in vielen Details so gut entwickelt, dass wir uns selbst überrascht haben.

„Die Kunden kamen mit ihren schwierigsten Motiven – und waren sprachlos.“

Sie haben sich selbst überrascht…?

Feldhaus: Ja. Da ist zum Beispiel die Art, wie wir das Farbwerk aufgebaut und in das Druckwerk integriert haben. Das führt zu einer Laufruhe, zu einer Achskontrolle, die über alles hinausgeht, was man in dieser Klasse bisher kannte. Wir haben die niedrigste Bounce-Rate der Druckbranche erreicht. Für unsere Kunden heißt das: Sie können auch hochkomplexe Motive bei voller Leistung drucken, also mit 500 Metern pro Minute. Dieses neue Leistungsversprechen haben wir auch live auf der K 2025 gezeigt. Weil wir diese Zahl nicht nur theoretisch meinen. Sondern wirklich, in echt.

Wir haben Kunden aus mehreren Ländern mit ihren schwierigsten Motiven in unser Technologiezentrum geholt. Sie waren sprachlos: Was bei ihnen in der Produktion sonst nur mit 200, vielleicht 300 Metern/Minute möglich war, lief auf der ALPHAFLEX ohne große Mühen und Justagen mit 500 Metern/Minute. Ein Kunde drehte sich um und meinte: „My god, it’s a beast!“ Und dabei spart die Maschine auch noch bis zu 25% Energie.

CI-Flexodruckwerk der ALPHAFLEX

Das klingt, als ob die ALPHAFLEX eine neue Klasse definiert. Wie entwickeln Sie sowas?

Feldhaus: Was auf jeden Fall hilft, ist Neugierde und Demut. Eine gute Maschine entsteht nicht am Schreibtisch oder am Bildschirm. Eine gute Maschine entsteht durch Neugierde im Alltag, beim Kunden, in der Produktion, im Schichtbetrieb, bei Gesprächen mit den Bedienern, den Produktionsleitern. Genau so haben wir die ALPHAFLEX entwickelt: In kleineren Betrieben, im Mittelstand und mit internationalen Playern. Verlässlichkeit und Effizienz wünscht man sich im Konzern genau so wie im kleineren Familienbetrieb. Leistung ist eben nicht nur eine Bounce-Rate oder ein schickes Feature. Am Ende geht es um den ganzen Ablauf, um Jobwechsel, um Bediener mit sehr unterschiedlichen Qualifikationen, zugleich immer komplexere Druckanforderungen. Deshalb war unser zentrales Ziel: Das muss einfacher werden. Alles. Rüstzeiten verkürzen, Ressourcen und Energie effizienter nutzen. Die Zwischenfarbwerkstrockner können automatisch deaktiviert werden, wenn sie nicht benötigt werden. Das senkt die Betriebskosten ohne Einfluss auf die Produktionsleistung. Ergebnis: Sie sparen mit der ALPHAFLEX bis zu 25 % Energiekosten. Das haben wir uns als solide nordrheinwestfälische Ingenieure natürlich auch gleich zertifizieren lassen.

Für welche Betriebsgröße ist die ALPHAFLEX gedacht?

Feldhaus: Ich glaube, wir müssen Technik heute unabhängig von der Betriebsgröße denken. Das gleiche gilt für Bedienung und Flexibilität: „Leicht zugänglich“ bedeutet ja nicht „weglassen“, sondern Reduktion durch ein genaues Hinsehen. Was zählt denn wirklich nachmittags um halb vier beim Jobwechsel?

Sie können weder im kleineren Betrieb noch im Konzern Kompromisse machen, nicht bei der Qualität und nicht beim Service und Support. Das ist im Druckgeschäft heute nicht drin. Es kostet entweder Produktionsvolumen, Zeit oder geht zu Lasten der Bediener – und die sind dann irgendwann weg. Die wachsen auch nicht einfach nach, das wissen alle in der Branche.

Die ALPHAFLEX ist in diesem Sinne unsere Antwort darauf. Sie kann sich unterschiedlichen Strukturen anpassen, ja. Sie richtet sich an Unternehmen, die ihre Produktion ausbauen möchten, ohne dabei den ganzen Betrieb umbauen zu müssen.

In Qualität, Leistung und Bedienbarkeit gibt es keine Kompromisse. Sie nimmt Bediener beim Jobwechsel sogar an die Hand und warnt vor fatalen kleinen Flüchtigkeitsfehlern, die schnell mal passieren. Da können Sie auch den Bediener in der Nachtschicht fragen. Seine Antwort kennen wir. Und die seines Chefs auch: „Endlich.“

EASY Setup und andere Softwarekomponenten vereinfachen Jobwechsel und Einrichtungsvorgänge erheblich – selbst für weniger erfahrene Bediener.

Nun setzt der Flexodruck mit komplexen Einstellungsoptionen und immer höheren Anforderungen aber auch ein gewisse Fachwissen voraus. Wie vereinfachen Sie das?

Feldhaus: Viele Druckereien stehen vor der Herausforderung, erfahrenes Personal zu finden und dauerhaft zu halten. Die ALPHAFLEX wurde genau für dieses Szenario entwickelt. Ihr Bedienkonzept ist klar strukturiert, Assistenzsysteme wie EASY Setup unterstützen gezielt, ohne Prozesse zu verkomplizieren.

Dank dieses Aufbaus finden sich auch weniger erfahrene Bediener schnell zurecht und erzielen in kurzer Zeit zuverlässige Ergebnisse, wachsames Auge inklusive. Gleichzeitig profitieren eingespielte Teams von dieser Prozessführung und hoher Wiederholgenauigkeit. Druckproduktion wird planbarer und effizienter. Wie gesagt: Neugierde und ein Realitätscheck in den Produktionshallen da draußen helfen sehr. Es ist unser Job, für solche Realitäten zu entwickeln, und nicht nur noch ein Feature und noch eine Option.

Ist die ALPHAFLEX in dem Sinne überhaupt ein Einsteigermodell?

Feldhaus: Ich glaube, dass diese Kategorien so nicht mehr in die Zeit passen. Wir wollten CI-Flexodruck zugänglicher machen, ohne dabei an Anspruch zu verlieren. Die ALPHAFLEX ist leistungsstark, intuitiv zu bedienen und bewusst so konzipiert, dass sie sich in verschiedenste Betriebsgrößen und Abläufe einfügt. Nicht, weil wir weniger bieten wollten, sondern weil gute Technik dort am meisten liefert, wo sie leicht zugänglich ist.

Wir haben für ein Segment entwickelt, in dem einfache Bedienung und wirtschaftliches Arbeiten im Vordergrund stehen. Genau hier setzt die ALPHAFLEX in ihrer Klasse neue Maßstäbe. Eine solche Kombination aus Produktivität, Stabilität und Benutzerfreundlichkeit war bislang so nicht verfügbar.

Ob als Einstiegslösung mit Perspektive oder als Ergänzung für bestehende Produktionslinien: Die ALPHAFLEX eignet sich für Kunden, die erstmals in den CI-Flexodruck einsteigen. Sie eignet sich ebenso für kleinere Betriebe, die in dieser Klasse einfach mehr erwarten, mehr brauchen. Sie ist aber ebenso eine Option für Großbetriebe, die ihre Produktion spürbar entlasten, erweitern oder flexibel skalieren wollen, etwa bei Auftragsspitzen oder Produktdiversifizierung.

Was kommt nach der ALPHAFLEX?

Feldhaus: [schmunzelt] Sagen wir mal so: Die ALPHA war erst der Anfang, und zwar durchaus im Wortsinne. Wieviel Produktivität man in welcher Klasse erwarten darf, und wie einfach es sein kann: Da würden wir gerne noch ein paar weitere Erwartungen neu definieren. Bleiben Sie auf 2026 gespannt. Es wird sich lohnen.

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