Mit EASY2 Run zur maximal stabilen Performance
Intelligente Assistenzsysteme heben die Blasfolienextrusion auf ein
neues Automatisierungsniveau – und schaffen die Grundlage für exzellente
Druck- und Veredelungsergebnisse
Artikel von: Ansgar Wessendorf, Verpackungsdruck & Converting, Ausgabe 2/2026
Die Blasfolienextrusion gehört zu den anspruchsvollsten Verfahren der Kunststoffverarbeitung. In kaum einem anderen Prozess wirken thermische, rheologische und mechanische Einflussgrößen in vergleichbarer Komplexität zusammen. Unter anderem Schmelzedruck, Viskosität, Kühlleistung, Aufblasverhältnis, Abzugsgeschwindigkeit und Wickelspannung müssen in einem engen Wirkfenster exakt aufeinander abgestimmt sein. Bereits minimale Abweichungen können sich unmittelbar in instabilen Frostlinien, Dickenprofilfehlern oder optischen und mechanischen Beein-
trächtigungen der Folie manifestieren.
EASY2 Run wird erfolgreich auf der modernen Blasfolienanlage VAREX II im Technikum von Windmöller & Hölscher am Standort Lengerich eingesetzt
Gleichzeitig steigen die Anforderungen des Marktes: Mehrschichtige Coextrusionsstrukturen, hohe PCR-Anteile, anspruchsvolle Barriereschichten und eng tolerierte Dickenprofile erhöhen die Sensitivität der Prozesse weiter. Die klassische Antwort auf diese Komplexität war über Jahrzehnte hinweg das Erfahrungswissen erfahrener Maschinenführer. Doch in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels, steigender Energiekosten und wachsender Wirtschaftlichkeitsanforderungen stößt dieses Modell an seine Grenzen.
Mit EASY2 Run hat Windmöller & Hölscher (W&H) ein neues Assistenzsystem auf der K2025 in Düsseldorf vorgestellt, das die Prozessführung in der Blasfolienextrusion grundlegend neu definiert: datenbasiert, adaptiv und konsequent auf maximale, zugleich stabile Anlagenleistung ausgelegt. Dabei geht es nicht nur um Durchsatzsteigerung, sondern um reproduzierbare Folienqualität als Basis für die gesamte Wertschöpfungskette – insbesondere für Druck und Veredelung. Unser Ziel war es, die enorme Datenmenge moderner Blasfolienanlagen so nutzbar zu machen, dass die Anlage jederzeit im Ausstoßmaximum bei konstant hoher Qualität betrieben werden kann“, erklärt Fabian Herbort, Produktmanager Extrusion bei W&H. „EASY2 Run steigert nicht blind die Leistung der Anlage, sondern identifiziert ungenutzte Leistungsreserven und bietet den Bedienern die Möglichkeit, diese durch kontrollierte Anpassung des Betriebspunktes auszuschöpfen und dauerhaft abzusichern.“
EASY2 Run steigert nicht blind die Leistung der Blasfolienanlage, sondern identifiziert ungenutzte Leistungsreserven
Vom Bedienerwissen zur datengetriebenen Prozessintelligenz.
Moderne Blasfolienanlagen erfassen heute eine enorme Menge an Prozessdaten. Mehr als 1000 Parameter beeinflussen die Ausstoßleistung, Produktqualität und Betriebssicherheit. In der Praxis führt diese Komplexität dazu, dass Anlagen häufig mit einem „Sicherheitsabstand“ zur theoretisch möglichen Maximalleistung betrieben werden. Viele Linien laufen dauerhaft unterhalb von 80 Prozent ihrer potenziellen Auslastung – nicht aus technischen Gründen, sondern aus Vorsicht. Wer zu nah an die Leistungsgrenze fährt, riskiert Profilabweichungen oder Produktionsabbrüche, die entweder zu schwankender und unzureichender Folienqualität führen können, oder die Gesamteffizient der Anlage einschränken. Die Folge sind konservative Einstellungen mit entsprechendem wirtschaftlichem Potenzialverlust.
EASY2 Run analysiert kontinuierlich die in der Maschinensteuerung verfügbaren Echtzeitdaten, bewertet die Wechselwirkungen zentraler Prozessparameter und stellt den Bedienern das ungenutzte Leistungspotenzial der Anlage transparent dar. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit den leistungsmaximalen Betriebspunkt von der Anlage automatisch anfahren zu lassen - unter Berücksichtigung der genannten mehr als 1000 Parameter. Entscheidend ist dabei nicht das kurzfristige Erreichen eines Leistungsmaximums, sondern dessen dauerhafte, qualitätsgesicherte Stabilisierung.
Die Frostlinie als sensibler Qualitätsindikator
. Ihre Lage beeinflusst Kristallisationsgrad, Orientierung, Dickenprofil, mechanische Eigenschaften und optische Qualität der Folie. Bereits geringe Veränderungen der Schmelzetemperatur oder der inneren und äußeren Kühlintensität können die Frostlinie verschieben. Auch äußere Umgebungsbedingungen, wie Temperaturschwankungen können im Betrieb ein negativer Einflussfaktor sein Schneckendrehzahlen und Abzugsgeschwindigkeiten werden adaptiv angepasst. Damit wird ein Paradigmenwechsel vollzogen: Die Bewertung kritischer Prozesszustände erfolgt datenbasiert und dadurch objektiv und reproduzierbar – nicht allein erfahrungsgetrieben und subjektiv.
Hochwertige Folie als Fundament für Druck und Veredelung
Die Bedeutung einer stabil produzierten, qualitativ hochwertigen Blasfolie endet jedoch nicht am Wickler. Im Gegenteil: Sie bildet die unverzichtbare Grundlage für alle nachgelagerten Prozesse – vom Druck über Kaschierung und Beschichtung bis hin zu Lackierung und Rollenkonfektionierung.Ein homogenes Dickenprofil ist entscheidend für die Bahnspan-nungskonstanz im Druckprozess. Lokale Dickenschwankungen führen zu variierender Dehnung unter Zugbelastung, was das Risiko von Registerabweichungen deutlich erhöht.
Besonders beim hochqualitativen Flexodruck oder bei anspruchsvollen Tiefdruckmotiven mit feinen Rasterverläufen können bereits minimale Längs- oder Querprofilabweichungen sichtbare Qualitätseinbußen verursachen. Enge Toleranzen in der Qualität des Drucksubstrats reduzieren diese Risiken signifikant - sichergestellt durch eine stabile Frostlinie und präzise Profilregelung. Die Folie läuft ruhiger durch die Druckmaschine, die Registerregelung ar-beitet konstant innerhalb definierter Toleranzen und Makulatur wird reduziert.
Oberflächenqualität und Planlage
Neben den erwähnten Vorteilen bezogen auf die Maßhaltigkeit im Druck- und Veredlungsprozess einer homogenen Mechanik der Folie, sorgt dies ebenfalls für eine gleichmäßige und konstante Corona- oder Plasma Vorbehandlung. Diese bildet im Druck die Basis für eine gleichmäßige Farbanhaftung und somit für gleichmäßigen Farbauftrag und ein konstant gutes Druckbild. Auch für die Kaschierung und Weiterverarbeitung ist die Dimensionsstabilität der Folie entscheidend. Schrumpfspannungen infolge inhomogener Abkühlung oder ungleichmäßiger Orientierung können später zu Wellenbildung, Curling oder Delamination führen. Eine präzise kontrollierte Frostlinienposition gewährleistet eine gleichmäßige Kristallisationsstruktur über die gesamte Bahnbreite. Dies verbessert nicht nur die mechanischen Kennwerte, sondern erhöht auch die Planlage im Druck- und Kaschierprozess – ein wesentlicher Faktor für Hochleistungsanlagen mit hohen Bahngeschwindigkeiten.
Wirtschaftlicher Hebel entlang der Wertschöpfungskette
Jeder Qualitätsmangel, der in der Extrusion entsteht, vervielfacht seine Kosten in den Folgeprozessen. Makulatur im Druck, Maschinenstillstände oder Reklamationen aufgrund optischer Fehler verursachen deutlich höhere Aufwendungen als eine stabile, prozesssichere Folienproduktion. Insofern ist EASY2 Run nicht nur ein Instrument zur Ausstoßsteigerung, sondern ein wirtschaftlicher Hebel entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Verpackungsdruck und Converting. Eine reproduzierbar hochwertige Folie erhöht die Gesamtanlagen-effektivität nicht nur in der Extrusion, sondern auch in den nachgelagerten Verarbeitungsschritten.
Steckbrief EASY2 Run
Quelle: Verpackungsdruck & Converting
„EASY2 Run verbindet Extrusion, Qualität und Wirtschaftlichkeit – und legt damit bereits in der Extrusion die Basis für Exzellenz in Verpackungsdruck und Converting.“
– Fabian Herbort, Produktmanager Extrusion bei W&H –
Im Zentrum der Regelstrategie steht eine der kritischsten Größen der Blasfolienextrusion: die Frostlinie. Sie markiert jenen Bereich in der aufgestellten Polymerblase, an dem die Schmelze erstarrt und ihre endgültige Form annimmt
Volle Transparenz über Leistungsreserven
Ein wesentliches Merkmal von EASY2 Run ist die transparente Visualisierung der Leistungsreserven. Mechanische Limitierungen, thermische Prozessgrenzen und qualitätsrelevante Indikatoren wie Profil, Frostlinie werden zusammengeführt und verständlich dargestellt.
Dem Maschinenbediener wird angezeigt, wie weit die Anlage vom maximal stabil möglichen Betriebspunkt entfernt ist und welche Reserven sicher aktiviert werden können. Ein Knopfdruck genügt, um in den optimierten Leistungsbereich zu wechseln. Die Anlage koordiniert sämtliche Regelkreise selbstständig. Für den Bediener bedeutet dies nicht Kontrollverlust im Extrusionsprozess, sondern Entscheidungsunterstützung auf hohem Niveau.
Praxisanwendungen zeigen Leistungssteigerungen von bis zu 20 Prozent, in Einzelfällen sogar darüber hinaus. Für Betreiber bedeutet dies eine deutliche Erhöhung des Durchsatzes bei gleichbleibender Qualität sowie eine signifikante Senkung der Kosten. „Viele Anlagen haben technisch deutlich mehr Potenzial, als im Alltag genutzt wird“, so Fabian Herbort. „Mit EASY2 Run machen wir diese Leistungsreserven transparent und ermöglichen es, sie per Knopfdruck kontrolliert auszuschöpfen – inklusive permanenter Überwachung qualitätsrelevanter Kenngrößen. EASY2 Run ist für uns kein reines Performance-Tool, sondern ein Stabilitäts-Tool. Wir geben dem Bediener volle Transparenz über die physikalischen und prozesstechnischen Grenzen der Anlage – und sorgen gleichzeitig dafür, dass diese Grenzen sicher ausgenutzt werden können. Das schafft Vertrauen in höhere Leistung.“
Anlagenplattformen: OPTIMEX II und VAREX II
EASY2 Run ist für die aktuellen W&H-Blasfolienanlagen OPTIMEX II und VAREX II verfügbar und lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen auch als Retrofit-Lösung in bestehende W&H-Anlagen integrieren. Die OPTIMEX II steht für industrielle Effizienz. Konzipiert für die wirtschaftliche Produktion von drei- und fünfschichtigen PE-Folien, kombiniert sie hohe Ausstoßleistungen mit stabilen, reproduzierbaren Prozessen. Bewährte Technologien wie der MAXICONE-Blaskopf, ein motorisierter ARCTIS II-Kühlring und moderne Profilregelungen bilden die Grundlage. Die klare, standardisierte Konfiguration macht sie besonders attraktiv für Volumenproduzenten mit Fokus auf Kaschierfolien und Stretchhauben. Demgegenüber repräsentiert die VAREX II eine modulare High-End-Plattform. Mit Strukturen von bis zu elf Schichten, Arbeitsbreiten bis 3600 mm und optionaler Integration maschinendirektionaler Orientierung (MDO) eröffnet sie ein breites Anwendungsspektrum – von anspruchsvollen Barrierestrukturen bis hin zu technischen Spezialfolien. Während die OPTIMEX II für fokussierte Effizienz steht, verkörpert die VAREX II maximale Flexibilität und Innovationsfähigkeit. EASY2 Run entfaltet auf beiden Plattformen seine Wirkung – angepasst an die jeweilige Produktionsphilosophie.
Assistenzkonzept für digitalbasierte Extrusion
EASY2 Run ist Teil eines umfassen-deren Automatisierungsansatzes von W&H. In Kombination mit EASY2 Change und TURBOSTART entsteht ein durchgängiges Unterstützungssystem über den gesamten Produktionszyklus der Blasfolienextrusion.
- EASY2 Change optimiert Produkt- und Formatwechsel. Das System führt den Bediener strukturiert durch Produkt- und Rezeptwechsel und passt relevante Maschinenparameter automatisch an. Umrüstzeiten werden verkürzt, Fehlerquellen minimiert und die Reproduzierbarkeit erhöht.
- TURBOSTART automatisiert Start- und Stoppvorgänge. Schneckendrehzahl, Kühlring, Abzug, Wickler und weitere Maschinenparameter werden koordiniert gesteuert, sodass komplexe Anfahrprozesse auf wenige geführte Schritte reduziert werden. Insbesondere bei häufigen Produktionswechseln erhöht dies die Prozesssicherheit deutlich. Außerdem kann dadurch die Anzahl der Bediener während des Anfahrprozesses reduziert werden, was bedeutet, dass auch ein einzelner eine Blasfolienanlage sicher anfahren kann.
Alle Systeme greifen auf eine vergleichbare Daten- und Hardwarebasis zurück. Sensoren für Temperatur, Druck, Ausstoß und Drehzahl, Kameras zur Frostlinien- und Blasenerkennung sowie moderne HMI-Visualisierungen bilden die technologische Grundlage.
EASY2 Run ist für die W&H-Blasfolienanlagen OPTIMEX II und VAREX II verfügbar und lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen auch als Retrofit-Lösung in bestehende W&H-Anlagen integrieren.
Unterstützung statt Substitution
Trotz des hohen Automatisierungsgrades versteht sich EASY2 Run nicht als Ersatz für qualifiziertes Personal. Vielmehr fungiert das System als „Co-Pilot“. Es macht komplexe Zusammenhänge transparent, reduziert die kognitive Belastung des Bedieners und ermöglicht es auch weniger erfahrenen Mitarbeitern, Anlagen sicher im optimalen Leistungsbereich zu betreiben. Erfahrene Anlagenbediener profitieren von der Entlastung im Routinebetrieb und können sich stärker auf Prozessanalyse und kontinuierliche Verbesserung konzentrieren. Die Maschine wird damit zum lernenden, adaptiven System, das Bediener und Automatisierung intelligent verbindet.
Fazit: Qualität beginnt in der Extrusion
Die Anforderungen des modernen Verpackungsdrucks lassen sich nur erfüllen, wenn die Basis stimmt. Registergenauigkeit, brillante Druckbilder, sichere Kaschierung und effiziente Weiterverarbeitung setzen eine dimensionsstabile, homogene und reproduzierbar gefertigte Folie voraus. Mit EASY2 Run wird die Blasfolienextrusion vom reaktiven Prozessmanagement zur proaktiven Leistungsoptimierung weiterentwickelt. Maximale Produktivität und höchste Folienqualität werden nicht länger als Gegensätze verstanden, sondern als zwei Seiten derselben Medaille. Für die Verpackungsdruckindustrie bedeutet dies eine klare Botschaft: Wer im Druck Spitzenleistungen erzielen will, muss bereits in der Extrusion auf intelligente, datenbasierte Prozessführung setzen. EASY2 Run liefert hierfür einen entscheidenden technologischen Baustein – und markiert einen weiteren Schritt in Richtung vollständig digitalisierter, selbstoptimierender Folienproduktion. „Wer heute wettbewerbsfähig bleiben will, muss die gesamte Wertschöpfungskette verstanden und im Blick haben“, sagt Fabian Herbort abschließend. „EASY2 Run verbindet Extrusion, Qualität und Wirtschaftlichkeit – und legt damit bereits in der Extrusion die Basis für Exzellenz in Verpackungsdruck und Converting.“
EASY2 Run ist für die W&H-Blasfolienanlagen OPTIMEX II und VAREX II verfügbar und lässt sich unter bestimmten Voraussetzungen auch als Retrofit-Lösung in bestehende W&H-Anlagen integrieren.
„Unser Ziel war es, die enorme Datenmenge moderner Blasfolienanlagen so nutzbar zu machen, dass die Anlage jederzeit im Ausstoßmaximum bei konstant hoher Qualität betrieben werden kann.“
– Fabian Herbort –


